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Workshops für die Kinder, ein Vortrag über Hochsensibilität für die Eltern und viel gemeinsame Zeit: Das war unsere sechste Familienfreizeit auf Gut Bustedt in Hiddenhausen.
Foto: DGhK OWL
Vorsichtig hebt Marius Strehl eine Fledermaus aus der runden Transportbox. Es ist ein Abendsegler. Langsam trägt der Biologe das Tier durch den Stuhlkreis. Es zittert. Angst sei das nicht, sagt Strehl. Die Fledermaus ist gerade geweckt worden und müsse sich erst aufwärmen. Sie hat vor dem Winter nicht genug Gewicht zugelegt und soll deshalb im Biologiezentrum Bustedt überwintern. Als Strehl Mehlwürmer verfüttert, sind alle Augen auf das kleine Tier gerichtet.
Bis dahin haben vor allem die Kinder das Wort. Was fressen Fledermäuse? Zu welcher Tiergruppe gehören sie? Strehl muss nicht lange auf Antworten warten, einige Kinder wissen erstaunlich viel über die Tiere. Bei der Nachtwanderung danach sollen die Tiere draußen aufgespürt werden. Doch dafür ist es wohl schon zu kalt: An diesem Abend zeigt sich keine einzige Fledermaus.
So begann am 25. September die sechste Familienfreizeit der Regionalverein Ostwestfalen-Lippe der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind. Das Angebot richtete sich an Mitgliedsfamilien mit hochbegabten Kindern zwischen 6 und 12 Jahren. Vorbereitet und begleitet haben das Wochenende Anna Vashuta, Carolin Kleffel und Justine Swientek aus unserem Orga-Team.
Diese Fledermaus muss noch Gewicht für den Winter zulegen. Bei der Fütterung mit Mehlwürmern konnten die Teilnehmenden zuschauen. Foto: DGhK OWL
Nicht nur das eigene Kind wiedererkannt
Hochsensibilität ist für Katharina Kramer ein Temperament, keine Störung. Die Dozentin und Beraterin sprach am Samstagvormittag zu den Eltern und zeigte an Beispielen, wie sich das im Familienalltag äußern kann. Da ist das Kind, das Schmatzen am Tisch kaum aushält. Eines spürt Stimmungen, bevor jemand etwas sagt. Ein anderes zieht einen Pullover nicht an, weil das Schild kratzt.
Die Beispiele kamen sofort an. Immer wieder meldeten sich Eltern mit Fragen und Situationen aus dem eigenen Zuhause, und aus dem Vortrag wurde eher ein Gespräch. Manche erkannten darin nicht nur ihr Kind, sondern auch sich selbst.
Kramer riet, Reize zu reduzieren, verlässliche Abläufe zu schaffen, auf genug Schlaf zu achten und Kindern Zeit für Erklärungen zu lassen. Wo sich Hochsensibilität mit ADHS oder Autismus überschneiden könnte, empfahl sie eine fachliche Abklärung.
Reize, die guttun
Weniger Reize heißt nicht weniger Anregung. Während die Eltern im Vortrag saßen, waren die Kinder in ihren Workshops, die sie sich vorab ausgesucht hatten. In der Bastelgruppe schlugen sie Nägel in Papprohre, bis daraus Regenmacher wurden, andere spannten bunte Fäden über Baumscheiben. Im Lötworkshop lernten die Kinder, mit dem Lötkolben umzugehen, und am Ende hatte jedes eine eigene kleine Lampe gebaut. In der Hundeschule mussten ausnahmsweise die Tiere die Aufgaben lösen und mit der Nase Verstecktes aufspüren. Eine weitere Gruppe machte Sport.
Der Nachmittag gehörte der ganzen Familie. Groß und Klein schnitzten Stöcke fürs Lagerfeuer, über den Köpfen stieg eine Drohne auf, es wurde getanzt. Außerdem gab es einen Kurs nur für Mädchen, mit Raum für Fragen, die man nicht unbedingt in großer Runde stellt. Beim Ringball standen Kinder und Erwachsene schließlich gemeinsam im Spiel. Abends saßen alle am Feuer, und danach hatten die Eltern noch Zeit für lange Gespräche.
Ruhe zum Schluss
Am Sonntag waren die Erwachsenen mit der Ruhe an der Reihe. Nach einer Feedbackrunde, in der sie Ideen für die nächste Freizeit sammelten, stand autogenes Training auf dem Programm. Die Kinder wählten derweil zwischen Kunst, Kosmetik und Schach.
Dann wurde aufgeräumt, ein letztes Mal zusammen gegessen und im Hof Abschied genommen. Viele fuhren mit dem nach Hause, was diese Wochenenden ausmacht: Begegnungen mit Menschen, denen man nichts erklären muss.
Unser Dank gilt allen Kursleitungen, den helfenden Eltern sowie Marius Strehl und dem Biologiezentrum Bustedt.
Das Lagerfeuer sorgte am Abend für eine gemütliche Atmosphäre bei der Familienfreizeit auf Gut Bustedt.
Beim Boxtraining konnten die Kinder gemeinsam ihre Koordination und Körperbeherrschung trainieren.
